Technik

Standort:

Esenser Straße 14, 26409 Wittmund

Baujahr:

1741

Erbauer:

Poppe Embcken

Bautyp:

einstöckiger Galerieholländer

Gesamthöhe:

16,50 m bis Oberkante Kappe

Durchmesser:

9,50 m im Achtkant

Eindeckung Achtkant:

silbergraue Polygumschicht auf Bitumenlage (seit 1990)

Antrieb:

zwei durchgehende Ruten von 20,5 m Länge,

Flügel mit Jalousieklappen

 

Leistung:

ca. 30 PS bei Windstärke 5-6

Gewicht Kappe:

ca. 16 t

Ausstattung:

Windrose, Jalousieflügel, Sackaufzug,

2 Schrotgänge von 1,60 und 1,40 m Durchmesser

Mahlleistung:

ca. 20 Zentner/Std. bei Windstärke 4-5

Der Mahlstein dreht sich 5,5-mal bei einer Umdrehung des Flügelpaares. Bei einer Windstärke 4-5 drehen die Flügel etwa 20 Mal, d.h. der Mahlgang erreicht 110 Umdrehungen pro Minute. Die Mühle ist voll funktionsfähig.

Müllerhaus:

erbaut 1909, privat genutzt

Zusätzlich vorhanden:

Schmiede/Backhaus mit Steinofen,

1988 umgesetzt aus Dunum (aus dem 19. Jahrhundert stammend)

Mühlentypen

 

In Ostfriesland gibt es auch heute noch verschiedene Mühlentypen. Nach der Bauart unterscheidet man grundsätzlich in Bockwindmühlen, Kokerwindmühlen, Paltrockmühlen und Holländermühlen. Der älteste europäische Mühlentyp, seit etwa 1100 bekannt, ist die Bockwindmühle, auch "Ständermühle" genannt. Charakteristisch ist, dass das rechteckige, hölzerne Mühlengebäude auf einem senkrecht stehenden "Ständer" oder "Hausbaum" steht und die ganze Mühle auf diesem in den Wind gedreht werden muss. Gedreht wird diese Mühle über einen langen nach hinten ragenden Baum, den "Steert".

Die erste Bockwindmühle in Ostfriesland entstand wohl um 1426 in Esens. Heute ist die Bockwindmühle in Dornum, 1626 erbaut, die einzig erhaltene Bockwindmühle Ostfrieslands. Eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle war die sog. Kokerwindmühle, um 1500 nachgewiesen, bei der im oberen drehbaren kastenförmigen Mühlengehäuse eine Flügelwelle mit Kammrad untergebracht war. Im unteren festen pyramidenförmigen Teil befanden sich die Mahl- oder Wasserschöpfeinrichtungen. Kokerwindmühlen wurden in Ostfriesland meist zum

Entwässern von Niederungsgebieten verwendet. Die letzte Kokerwindmühle Ostfrieslands steht im Riepster Leegmoor. Die Paltrockmühle, bei der das drehbare Gebäude bis zum Erdboden geht, fand oft als Sägemühle Verwendung. Bei Bock-, Koker- und Paltrockmühlen wird also das gesamte Gehäuse gedreht.

Der in Ostfriesland aber vorherrschende Windmühlentyp ist die Holländerwindmühle. Hier dreht sich nur noch die Haube bzw. Kappe der Mühle. 1604 wurde die Kappenwindmühle von dem genialen holländischen Ingenieur Jan Adriaanszoon Leghwater entwickelt.

Zwar zeichnete schon Leonardo da Vinci um 1500 einen Turm mit einer drehbaren Kappe, aber das zentrale technische Problem, wie die Kraft der horizontal drehenden Flügelachse auf die Mahlgänge übertragen werden kann, ließ da Vinci offen. Gelöst wird das Problem durch die "Königswelle". Die leicht geneigte Achse der Flügel in der drehbaren Turmkappe gibt ihre Drehung über das große Kammrad an die senkrecht im Mühlenkörper gelagerte "Königswelle" weiter. In dem Stockwerk, in dem die Königswelle gelagert ist, dreht sich mit der Welle das große Stirnrad.

 

Schnitt von der Peldemühle, Angelis & Partner

Nur noch die (orange) Kappe der Holländermühle dreht. Das (gelbe) Kammrad kann über den gesamten Drehkreis seine Kraft auf die fest im Achtkant stehende (rote) Königswelle abgeben. An ihr großes Stirnrad (ebenfalls rot) lassen sich die Mahlgänge einkuppeln.